Wie schon neulich beschrieben, ist die Rufnummernportierung zu einem
anderen Anbieter bei gleichzeitigem Umzug in Deutschland nicht vorgesehen und erfordert ein Reihe Klimmzüge.
In diesem Artikel beschreibe ich, wie die Telefon- und Internetanbindung meiner Wohnung in den letzten Monaten
realisiert war.
In meiner alten Wohnung war die Telekommunikation verhältnismäßig konservativ aufgestellt: T-ISDN, T-DSL 3000 und IP
mit statischem /28-Netz und Volumenabrechnung aus dem Rahmenvertrag der Firma. Das statische /28 hat seine
Existenzberechtigung verloren, weil ich ein paar Monate zuvor meine Server von “echter Hardware im
Multifunktionszimmer” auf “Mietserver bei verschiedenen Anbietern” umgestellt hatte und ich durch die
viele Zeit bei Sandra gelernt hatte, dass ich für den reinen Client-Betrieb unter Verwendung von OpenVPN keine
statischen IP-Adressen daheim mehr brauche. Also kann es in der neuen, gemeinsamen Wohnung ein Consumer-Zugang mit
dynamischer IP von der Stange sein.
Genau zur rechten Zeit, Anfang April, kommt mir zu Ohren, dass Anbieter U ein gut verstecktes, nur einer geschlossenen
Benutzergruppe zugängliches Angebot macht: Sechs Monate DSL 16000 und Telefonie mit Doppelflat für unter fünf Euro
Grundgebühr, danach entweder Ausstieg oder 24 Monatsvertrag zu einem nicht konkurrenzfähigen Preis. Ich entscheide
mich, das Risiko einzugehen und lasse mich in die geschlossene Benutzergruppe aufnehmen. U soll hier aus
offensichtlichen Gründen anonym bleiben.
Ich erteile also Mitte April den Auftrag für das Produkt und die Portierung von fünf meiner zehn T-Rufnummern. Schon
zwei Wochen später kommt die Nachricht “Portierung abgelehnt”. Nur zwei Telefonate später weiß ich auch
wieso. Die Rufnummern sind derzeit an einer anderen Adresse geschaltet als wo der Neuanschluss hin soll. Das sehen die
Prozesse von U nicht vor. Abhilfe: Ich soll mir den Anschluß erstmal an der alten Adresse schalten lassen und dann erst
umziehen.
Das kommt aber aus terminlichen Gründen nicht in Frage. So kommt Plan B zum Preis einer Telekom-Einrichtungsgebühr
zum Zuge: Das T-ISDN zieht mitsamt den Rufnummern um und wird dann sofort wieder gekündigt. Da ich nun den neuen
Portierungsauftrag erst erteilen kann, wenn das T-ISDN umgezogen ist, ich die hundert Euro Einrichtungsgebühr für ein
kurzfristig kündbares T-DSL nicht zahlen mag und ich allerdings auch wenig Lust darauf habe, einige Wochen ohne
breitbandigen Internetzugang zu sein, kommt hier die schöne Alice zum ersten Mal ins Spiel: Sie darf für die
Übergangszeit Internet liefern.
Die Telekom kriegt den Umzug des T-ISDN innerhalb von sieben Werktagen nach Erteilung des Online-Auftrags hin; Alice
braucht mit zehn Werktagen bis zum ersten Installationsversuch etwas länger, ist aber noch im grünen Bereich. Dass der
erste Alice-Installationsversuch in die Hose geht, ist meine Schuld, denn ich erwische die Nachbarn mit dem Schlüssel
zum Heizraum, in dem auch der Telekom-Übergabepunkt montiert ist, nicht rechtzeitig und der Techniker muss
unverrichteter Dinge wieder abziehen.
Hier merkt man schon, dass man als Kunde eines Nichttelekomanbieters im Servicefall die Arschkarte gezogen hat: Für
ein T-ISDN oder ein analoges T-Net wäre der Techniker später am gleichen Tag oder am nächsten Tag nochmal
wiedergekommen; für Alice muss ein neuer Auftrag erteilt werden, das dauert mindestens vier Werktage.
Sofort nach der Installation des T-ISDN erteile ich den Auftrag an U, der diesmal durchgeht. U bestätigt und nennt
einen Liefertermin im Juli. Fünf Wochen Realisierungszeit ist nicht berauschend, aber wir sind ja mit T und Alice
versorgt.
Im Juli wird dann schliesslich von T zu U umgeschaltet. U liefert seine Telefonie als Next Generation Network (NGN) und
stellt deswegen ein Endgerät zur Verfügung, das als Router für WLAN und kabelgebundenes Netz und als
Telefonübergabegerät mit zwei a/b-Ports und einem S0-Bus dienen kann.
Die Migration geschieht ohne Technikerbesuch und unter Weiterverwendung der vorher für das T-ISDN geschalteten TAL:
Man ersetzt zum gemeldeten Zeitpunkt Mittags den NTBA durch das NGN-Gerät von U und ist nach anderthalb Stunden
Downtime mit Telefon und Internet online. So soll es sein, reibungslos und prima.
Leider funktioniert das NGN-Gerät von U leider anfänglich nicht so wie eigentlich geplant, so dass ich darüber
nachdenke, U vorzeitig zu verlassen und die Nummen gleich weiter zu Alice zu schieben. Das aber geben die Prozesse von
Alice nicht her: Man kann keine Rufnummern auf einen bereits bestehenden Anschluß portieren. Für diese Auskunft
braucht man zwei Wochen, in denen sich das Produkt von U durch mehrfache Firmwareupdates deutlich verbessert. Ich
entschließe mich, die sechs Monate bei U weiterlaufen zu lassen; der Preis ist umwerfend. Die Alice-DSL ist somit nicht
mehr notwendig und Alice fängt sich eine Kündigung zu “Ende August”.
Im November kommt mir die Sache wieder auf den Tisch, denn Ende Januar 2008 läuft die Vergünstigung von U ab, und so
ganz hundertprozentig funktioniert das Produkt von U immer noch nicht. Wenn auch die akutesten und nervigsten Bugs
inzwischen umschifft werden konnten, will das NGN-Gerät immer noch ein bis zweimal in der Woche resettet werden. Unter
diesen Umständen einen 24-Monats-Vertrag zu einem eher unattraktiven Preis einzugehen, ist keine Alternative.
Und was dann passiert ist, blogge ich ein andermal.
Ralf Hildebrandt fragt in einem Kommentar zu diesem Artikel, warum ich zehn Rufnummern gehabt habe. Ich versuch das mal zu erklären. Zehn Rufnummern habe ich eigentlich schon seit WG-Zeiten. In einer Dreier-WG ist das auch ganz praktisch, und ich Comments (2)
Tracked: Feb 27, 13:40
Dies ist die letzte Woche angekündigte Fortsetzung von Telefonieren - Mai 2007 bis Februar 2008. Da es sich um eine im Laufen befindliche unendliche Geschichte handelt, mit Nummerierung im Subject... Alice hat - wie oben berichtet - im Mai innerhal Comments (2)
Tracked: Mar 03, 22:40