Seit dem Umzug habe ich erstmals dort, wo mein Schreibtisch steht, keinen Fernseher mehr. Das merke ich unter anderem
daran, dass ich kaum Harald Schmidt mehr gucke, und auch die Fernsehnachrichten (früher war ich Stammgucker von
“heute journal” und “heute nacht”) kommen arg zu kurz. Der 2002 für Multimediazwecke
angeschaffte PC mit TV-Karte mit Analogeingang (ich bloggte vor zweieinhalb Jahren zuletzt) steht nicht angeschlossen im Musikzimmer neben der
nicht angeschlossenen Anlage und wird wohl höchstens dazu taugen, alte Videobänder in die digitale Domain zu holen.
Denn, aktuelles Fernsehen kommt längst digital in den Haushalt, bei uns über eine digitale Einkabelanlage aus der
Gemeinschaftsschüssel.
Das Schlüsselwort heißt bei uns also DVB-S, und ich möchte gerne an meinem Arbeitsplatzrechner Fernsehen und Radio
hören können, über den PC.
Doch zunächst muss die alte 700-MHz-Kiste weg und durch gegen etwas ansatzweise zeitgemäßes ersetzt werden. Von
Herrn L. erstehe ich ein Mainboard mit nForce-Chipsatz, PATA und SATA-Ports, einem Haufen PCI-Slots und einem AGP-Slot,
bestückt mit einem Athlon XP 2600+. Nicht mehr ganz frisch, aber allemal moderner als das was ich zuvor an dieser
Stelle in Benutzung hatte. Dazu kommt eine neue 500-GB-SATA-Platte und die vorhin beschriebene Dual-DVI-nVidia-Grafikkarte. Das ganze bekommt bei der Installation entsprechend der neuen
Nomenklatur nach einer sehr schönen Figur aus dem Langsamen Walzer und dem Slowfoxtrott den Namen weave.
Aus der Ebucht kommt eine Typhoon DVB-S-Karte für den PCI-Slot. lspci identifiziert sie als eine Karte auf Basis des
Philips SAA7146. Das ist ein verhältnismäßig weit verbreiteter Chip, der nach Bau eines neuen Kernels auch flott
erkannt wird. Einbauen, anschließen, Kaffeine starten (und seine externen Dependencies befriedigen, für die man
debian-multimedia.org braucht), Sendersuchlauf starten, und ...
... nichts. Darüber habe ich aber hier
hier schon geblogged.
Die Antenne ist inzwischen repariert, aber die Störungen, von denen ich im anderen Artikel berichtete, sind ich
natürlich auch da, wenn die DVB-S-Karte mit einem Ein-Meter-Kabel direkt an der Antenne im Arbeitszimmer hängt:
ARDDAS ERSTE, das ZDF und eine
halbe Handvoll anderer Sender funktionieren, alles andere ist mehr oder weniger stark gestört bis völlig unguckbar.
Beim Radio sieht es nicht viel besser aus, in Ansätzen hörbar ist ausschließlich HITRADIO Ö3.
Da ist guter Rat teuer: Außer der Dreambox und der DVB-S-Karte gibt es keinen weiteren Receiver in der Wohnung, und
die DVB-S-Karte meldet auch nur knapp über 70 % Signalpegel, was nur sehr knapp im grünen Bereich ist. Sollte
tatsächlich die Karte kaputt oder die Antenne zu schwach sein?
Während ich mich auf die Lauer nach einer zweiten Karte lege, kommt mir eine weitere Debugging-Idee. Die SATA-Platte,
die in das System eigentlich hineingehört, wird temporär durch eine alte PATA-Platte mit 10 GB ersetzt. Ungefähr zehn
Sekunden nach dem ersten Einschalten steht Sandra im Zimmer und erkundigt sich, was denn hier so einen Lärm machen
würde. Jaja, die Platte ist ein wenig laut. Man merkt ihr an, dass sie etwa fünf Jahre lang in einem dauerlaufenden
Server in einem Rechenzentrum gesteckt hat; für eine 1999 gefertigte Deskstar ist das schon ein respekables Alter.
Die Installation von Windows XP, Service Pack 3 und aller relevanter Updates nimmt den besseren Teil des Abends in
Anspruch. Die Treiber für die DVB-S-Karte wollen diskutieren. Ich gewinne.
Und, die Qualität ist besser als auf dem ursprünglichen System. Zwar immer noch nicht perfekt, aber man kann die
anderen Sender gucken, ohne dass man raten muss, was auf dem Sender gerade läuft. Mist. Sollten tatsächlich die
Linux-Treiber für die Störungen verantwortlich
sein?
Machen wir uns also nun daran, die Vermutung zu verifizieren. Mit dem Debian-Installer wird ein neues lenny auf der
PATA-Platte installiert. Inklusive Verkleinerung der Windows-Partition und dem Download des Systems aus dem Internet
läuft das KDE innerhalb von knapp 45 Minuten. Weitere fünfzehn Minuten später läuft das DVB-S, genauso gut wie unter
Windows. Also kein Treiberproblem.
Wieder die SATA-Platte rein, System gestartet, schlimme Störungen. Ob das der Unterschied zwischen lenny und sid ist?
Also, lenny-CD rein, ein neues Debian-System parallel zum sid in eine neue LV im zum Glück noch mit reichlich freiem
Platz gesegneten LVM der 500-G-SATA-Platte installieren (ich bekomme Routine, 50 Minuten bis zum ersten Fensehbild),
schlimme Störungen. Also liegt es auch nicht am lenny.
Bleibt nur noch eine mögliche Ursache: Die SATA-Platte, denn das ist der einzige Unterschied zwischen dem lenny auf
der SATA-Platte und dem lenny auf der PATA-Platte. Den Kreuzvergleich, ein Windows auf der SATA-Platte erspare ich mir,
denn dafür müsste ich komplett repartitionieren (ein Windows innerhalb eines Linux-LVM wäre vielleicht etwas arg
sportlich).
Nach kurzer Diskussion im Usenet kommt raus, dass der nForce-2-Chipsatz zickig ist mit dem Bustiming, und der nur über
PCI angebundene SATA-Port trägt sicher seinen Teil zu dem Ärger bei. Humpf. Da habe ich also einen neuen alten Rechner
gekauft, der die Grundanforderung nicht erfüllt. Mist.
Die Rettung naht in Form der alten lefler, meinem Entwicklungssystem, das seit der Verlagerung meiner dauerlaufenden
Systeme auf Mietserver ungenutzt und abgeschaltet in der Ecke herumsteht. Lefler hat ein ATX-Gehäuse der allerersten
Generation und das FuSi D1289-Mainboard, das ich aufgrund seiner ausgefeilten Schalldämmungs- und
Stromsparfunktionen ursprünglich dem Multimedia-Rechner zugedacht habe. Auf dem Mainboard steckt ein Athlon XP 1700+,
und natürlich kann jedes heute gekaufte Mainboard besser Strom sparen und leise sein als dieses sechs Jahre alte Modell
aus dem Jahr 2002.
Ich beginne, mir die Lippen nach einem Core (2) Duo oder einem aktuellen Athlon-Doppelkern zu lecken, sehe aber davon
ab das Projekt auch nur durchzurechnen, denn neben einem neuen Prozessor und einem neuen Mainboard wäre mit Sicherheit
auch neuer Speicher und eine neue
Dual-DVI-Grafikkarte fällig geworden, denn neuere Mainboards haben keinen AGP-Slot mehr. Unter 350 Euro wäre ich aus
der Übung sicher nicht rausgekommen.
Also wird die DVB-S-Karte in lefler umgebaut und mit dem dort bereits installierten System ausprobiert, wie gut das
funktioniert. Das System beschwert sich über die seit 502 Tagen nicht mehr ausgeführten Filesystemchecks, und da in
der alten Kiste für insgesamt 280 GB Platten drin stecken dauert das auch gleich eine Weile. Ein Debian-sid-Update in
der Größenordnung von 700 MB Download folgt, und bis das kaffeine läuft vergeht nochmal eine Weile.
Wir sehen ... perfektes Bild, perfekter Ton auf allen Kanälen. War also wirklich das räudige nForce-Board der
Übeltäter.
Der Rest war ganz einfach: Das weave-System von der 500-GB-SATA-Platte auf die 200-GB-PATA-Platte der alten lefler
kopieren, die anderen Platten raus, auch die Grafikkarte umsetzen, minimale Korrekturen am System und die Arbeit kann
wieder beginnen. Und ich kann jetzt endlich parallel zur Arbeit fernsehen oder Radio hören. Der Wunsch nach Fernsehen
hat mich auch nur 133 MHz Frontsidebusfrequenz, 512 MB RAM, knapp 400 MHz CPU-Takt und 300 GB Plattenplatz gekostet.
Aber auch das alte, kleine System reicht völlig. Warum hab ich eigentlich extra neue Hardware gekauft?
Die alte lefler-Hardware kann leider nicht von USB booten, und möchte partout nicht von einer 500-MB-Partition booten,
die ganz hinten auf der 200-GB-Platte ist. Also wiederhole ich die Kopier-Übung nochmal auf einer repartitionierten
Platte, die /boot ganz vorne hat. Grmbl.
Ich denke, der von Herrn L. beschafften Rechner bekommt eine der aus der alten lefler ausgebauten 40-GB-Platten, ein
Linux und ein Vmware-Windows und wird dann an Sandra weitergereicht. Und ihr alter Sempron 1100 MHz kann dann endlich
aufs Altenteil. Wo bekommt man am geschicktesten eine updatefähige, WGA-Prüfung bestehende Lizenz für Windows XP
Professional her?
Frau K. bekommt den nach meinem Notebook von 2005 zweitneuesten Rechner, den ich mir eigentlich als Arbeitsplatzrechner für mich selbst ausgeguckt habe, der aber aufgrund seines räudigen nForce-Chipsatzes nicht mit der DVB-S-Karte wollte. Die in dem Art Comment (1)
Tracked: Oct 07, 22:46