Wir haben Pelles Blutzuckermessungen in den letzten Wochen vernachlässigt, und jetzt prompt die Quittung dafür
bekommen: Er bettelt wieder sehr deutlich, trinkt wie ein Loch, und bei der ersten Messung seit Monaten gestern abend
hatte er drei Stunden nach dem Essen 481 mg/dl. Bei der Vergleichsmessung heute früh, eine Stunde nach dem Essen 405
mg/dl.
Das sieht dann sehr deutlich nach einer Rückkehr der Insulinspritze ab heute abend aus. Neues Caninsulin ist schon
beschaft. So ein Mist.
Pelle hat jetzt seit drei Monaten keine Insulinspritze mehr bekommen. Und seine Werte sind immer noch so, dass ich bei
einem Diabetiker schnellstens was nachfüttern würde, weil er sonst droht, in eine Hypo zu fallen. Wir messen etwa
einmal in der Woche, so zum Beispiel auch heute. Der Vollständigkeit halber habe ich Pelle heute zweimal gepiekst.
Um 20.00 Uhr, vor dem Abendessen hatte er 90 mg/dl Blutzuckerkonzentration; drei Stunden später 61 mg/dl. Das sind
eher zu niedrige Werte, aber nichts was einen jetzt zum sofortigen Handeln zwingt. In seiner Insulinphase hatte ich
ein-, zweimal Werte unter dreißig, da bin ich dann schon aufgeblieben und habe den Kater genau beobachtet bis seine
Werte wieder gestiegen sind.
Wir haben also einen außerordentlich langen Honeymoon, und Sandra rechnet sich schon aus, dass es eventuell sein
könnte, dass Pelles Diabetes sich so weit zurückgezogen hat, dass er auf Dauer kein Insulin mehr braucht. Solche
Fälle sind zwar dokumentiert, aber extrem selten.
Wir werden sehen und messen unregelmäßig und selten weiter.
Pelle ist jetzt in der dritten Woche ohne Insulin. Wir messen alle zwei Tage, und haben noch keinen Wert über 120
mg/dl gesehen. Eben hatte er einen Pre-Wert von 75, das ist fein.
Nach drei Tagen ohne Insulin sind Pelles Werte immer noch so niedrig, dass ich sagen würde, dass wir die Dosis weiter
reduzieren sollten. Wenn sie nicht eh schon auf Null wäre. Alles grün.
Ein paar Monate hab ich Euch jetzt noch nicht über unseren Diabetikerkater Pelle berichtet. Das ist also mal wieder
dran. Kurzfassung: Wir scheinen in einer Remissinsphase, vulgo “Honeymoon” zu sein, so dass wir das Insulin
seit heute morgen komplett abgesetzt haben. Die längere Version gibt’s nach einem Klick.
Inzwischen klappt das Blutabnehmen bei Pelle immer besser: Er lässt sich geduldig das Ohr anwärmen, zickt beim Pieks
kaum noch, hält still bis das Blut im Meßstreifen ist und bleibt brav auf dem Tisch sitzen, bis das Leckerli gegeben
wurde. Nur beim Auftragen der Traumeelsalbe (die die Blutergüsse im Zaum halten soll, was leidlich gut funktioniert)
zuckt er noch, das Zeug brennt vermutlich ein wenig am Ohr.
Leider sind die Werte alles andere als berauschend
Am Sonntag haben wir endlich mal ein vollständiges Tagesprofil hinbekommen. Ich habe mich entschlossen, nicht
stundenaktuell zu bloggen, da es schon Stimmen gab, die sich über die neue Häufung des Katzencontents in diesem Blog
beschwert haben.
Wir hatten erstaunliche Werte, haben die Insulindosis verringert, und mussten einen kurzen unerwarteten Besuch beim
tierärztlichen Notdienst einlegen.
Der Tierarzt hat anhand unserer Messungen vom Sonnabend die Dosis auf 4 IE erhöht.
| 08:19 Uhr: | 495 mg/dl |
| 08:25 Uhr. | Essen, 4 IE Caninsulin |
| 10:10 Uhr: | erfolglose Blutentnahme |
| 11:10 Uhr: | erfolglose Blutentnahme |
| 12:10 Uhr: | 349 mg/dl |
| 13:10 Uhr: | erfolglose Blutentnahme |
| 14:10 Uhr: | 248 mg/dl |
| 16:10 Uhr: | erfolglose Blutentnahme |
| 18:10 Uhr: | 415 mg/dl |
| 20:10 Uhr: | erfolglose Blutentnahme (links) |
| 20:15 Uhr: | Essen, 4 IE Caninsulin |
| 22:10 Uhr: | >500 mg/dl (rechts) |
| 00:10 Uhr: | 328 mg/dl (links) |
| 08:00 Uhr: | “out of range” (>500) |
| 10:00 Uhr: | 490 |
| 12:20 Uhr: | 370 |
| 14:15 Uhr: | 413 |
| 16:10 Uhr: | “out of range” (>500) |
Zum 18:00-Uhr-Termin war Sandra leider nicht in der Lage, dem Kater Blut aus dem Ohr zu locken, und um 20:00 Uhr war
ich auch nicht erfolgreich. Man liest ja überall, dass Katzenohren bluten lernen, aber können sie es auch verlernen?
Sieht so aus, als brechen wir die Testreihe ab.
Am Dienstag im wöchentlichen Tierarzttermin haben wir erfahren, dass die bisher lapidar als “zu hoch”
bezeichneten Blutzuckerwerte von Pelle in Wirklichkeit ein “out of range” des Messgeräts im Labor waren.
Nachdem sich die Messwerte auch nach der zweiten Woche mit zweimal 2,5 Einheiten Insulin am Tag nicht in den
Erfassungsbereich des Gerätes zurückbewegen wollten, haben wir nun den Auftrag bekommen, ein Tagesprofil zu
erstellen.
Auch nach einer Woche Insulin haben sich Pelles Blutzuckerwerte nicht verbessert. Also erhöhen wir die Dosis von 1,5
IE pro Injektion auf 2,5 IE. Und am nächsten Dienstag um acht sind wir dann nochmal nüchtern beim Tierarzt.
Meine von katzendiabetes.de
gelernte Idee, das U40-Insulin zwecks genauerer Dosierung nach entsprechender Umrechnung mit U100-Spritzen zu
verabreichen, ist laut Aussage des Tierarztes nicht erlaubt - ich meine aber, zwischen den Zeilen ein “aber
natürlich funktioniert das” gelesen zu haben. Anyway, Sandra ist mit den U40-Spritzen zufrieden, und da sie die
meisten Spritzen verabreicht, sei das so.
Im “Großhandel” bekommt man die einzelne Spritze fast 10 Cent billiger als beim Tierarzt, allerdings sind
diese Spritzen im Zehnerpack zusammengepackt. Ich bin mir nicht sicher, ob ich der Aussage, dass die Sterilität der
einzelnen Spritze durch die Kappe auf der Nadel gewährleistet ist, glauben kann. Da werde ich mich wohl nochmal schlau
fragen müssen, und zwar bei jemandem, der kein wirtschaftliches Interesse am Verkauf der Spritzen hat.
Das Diabetiker-Spezialfutter frisst Pelle gerne, und auch Paul mussten wir davon abhalten bei Pelle mitzuessen. Ob das
Diabetikerfutter doch etwas besser schmeckt als Pauls Mischung aus Sensitive Stomach und Urinary?
Leider ist es zumindest in der Einstellungsphase so, dass die Fütterung und die Spritze wirklich halbwegs genau nach
der Uhr plus minus 30 Minuten gegeben werden sollten. Das war’s dann mit der Freizeitgestaltung für die nächsten
Wochen, und mit dem Sonntags ausschlafen.
Und, Pelle, dass Du mir auf der Rückfahrt auf die Hose gepischert hast, musste nun wirklich nicht sein. **GRRRR**
Wie in Insulin, Glucometer und rotes Fell beschrieben, war heute der zweite Tierarzttermin. Wir hätten Pelle
den Autotransport ersparen können, denn der Tierarzt wollte ihn gar nicht sehen und er hat die ganze Zeit brav in der
Transportbox gesessen.
Pelle wird in Zukunft jeden morgen und jeden Abend eine Spritze Caninsulin bekommen müssen und wird eine Gratwanderung zwischen Hypoglykämie und Ketoazidose leben. Und
natürlich gibt es auch noch eine spezielle Diät.
Die erste Spritze hat er gerade bekommen. So geht es dann weiter bis Dienstag nächster Woche wenn der Tierarzt die
nächste Blutprobe machen möchte. Um das verhältnismäßig kostspielige Home Testing kommen wir vorläufig herum; der
Tierarzt meint, dass wir erstmal sehen sollen, ob sich Pelle vielleicht einfacher einstellen lässt als die einschlägigen Betroffenenwebseiten
pessimistisch vermuten lassen.
Auch wird der 12-Stunden-Takt nicht ganz so heiß gegessen wie er gerne gekocht wird und wir behalten eine gewisse
Restflexibilität im Leben. Aber um mehr als ein, zwei Stunden sollte man die Spritze doch eher nicht verschieben. Eine
Katze einzustellen ist deutlich einfacher als einen Menschen, da Hauskatzen viel gleichförmiger ernährt werden und man
auf diese Weise mit konstanter Insulindosis ganz gut zurecht kommt. Obendrein sind Katzen nicht so empfindlich auf
Pegelschwankungen. Andererseits ist der Stoffwechsel einer Katze so schnell, dass man mit einer Gabe Insulin am Tag
nicht mehr hinkommt.
Einige Dinge sind allerdings noch optimierungswürdig: Das Abmessen von 1,5 IE U-40 Insulin mit einer U-40-Spritze ist
eine feinmotorische Herausforderung, und an der Spritze ist die Nadel fest befestigt: Sprich, man muss mit derselben
Nadel, mit der man die Gummidichtung der Insulinflasche durchstochen hat, dann auch in die Katze pieksen. Finde ich
suboptimal.
Pelle hat seit seinem letzten Tierarzttermin im letzten Oktober von 7,5 kg auf knapp über 5 kg abgespeckt. Er frisst,
trinkt, spielt und schläft wie normal, so dass wir uns eigentlich keine Sorgen gemacht haben. Aber nachdem er dann
immer leichter und leichter wurde, haben wir dann doch mal den Tierarzt näher gucken lassen.
Heute kam dann die Diagnose: Diabetes.
Am Montag ist der nächste Tierarzttermin, wo man uns eröffnen wird, inwieweit sich unser tägliches Leben mit der
diabetischen Katze ändern wird. Worst Case dürfte sein, dass wir nach der Uhr alle 12 Stunden eine Insulinspritze
verabreichen und obendrein noch mehrmals täglich Blutzucker messen dürfen.
Was das für Urlaube oder auch nur für “nach der Arbeit mal schnell noch irgendwo hin fahren” bedeutet,
brauch’ ich ja nicht näher auszuführen. Ich werde hierzublog berichten.
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