Heute vor fünf Wochen lag ich auf dem Operationstisch in der Tagesklinik in Koblenz. Und wie es da hin kam und wie es
mir nachdem ergangen ist, erzähle ich Euch heute.
Gestern schrieb ich Euch, wie ich zu meiner 33 Gramm schweren Brille mit 20 Prismendioptrien Basis
Außen gekommen bin, und dass mich das Tragen der Brille schon ein wenig genervt hat.
Die Korrektur von Winkelfehlsichtigkeiten mit Prismenbrille ist - wie schon geschrieben - nicht gerade unumstritten.
Dementsprechend wenige Augenärzte gibt es, die sich mit dieser Disziplin auseinandersetzen. Schon alleine deswegen,
weil sie die enge Zusammenarbeit mit dem Erzfeind, dem Augenoptiker, erfordert. Über die internationalen Vereinigung für binokulares Sehen (IVBS) erhielten wir den Kontakt zu einem
Augenarzt in Konblenz, der selbst IVBS-Mitglied ist und als die bundesweite Kapazität für die Korrektur von
Winkelfehlsichtigkeiten gilt. Im Juni 2012 waren wir das erste Mal dort, natürlich mit demselben Ergebnis, das Sandra
auch schon ermittelt hatte: Esophorie, korrigierbar mit 20 Prismendioptrien Basis außen, Tendenz zu ein bisschen mehr,
seit zwei Jahren stabil.
Eine Operation kann hier helfen. Der Vorschlag ist ein ambulanter Eingriff unter Vollnarkose, ein Tag Verband auf dem
einen Auge, den Tag danach wieder arbeitsfähig und bis auf Augentropfen keine weiteren Therapien. Die Operation selbst
besteht darin, dass auf einem Auge der äußere Augenmuskel um einige Millimeter gekürzt wird, damit die Augen weiter
“geradeaus” stehen. Die genaue Menge ist Erfahrungsermessen des Operateurs, und man muss damit rechnen, auch
weiter eine Prismenbrille zu benötigen - wenn auch nur eine weniger starke.
Dennoch dauerte es bis in den Oktober, bis ich mich zur Terminvereinbarung durchringen konnte. Als Termin gab es dann
den achten Januar 2013. Hotel für zwei Nächte gebucht, Projektpause veranlasst, Sandra Urlaub beantragt.
Am Nachmittag des 7. Januar fuhren wir dann nach Koblenz und nisteten uns in unserem Hotel ein. Nach einem kurzen
Aufenthalt in der Hotelsauna verbrachte Sandra den Abend mit einer Freundin und ich saß - nicht nach Unterhaltung
gelaunt - auf dem Hotelzimmer und arbeitete. Am nächsten Morgen konnten wir immerhin bis 08.30 Uhr ausschlafen, mein
OP-Termin war erst um 09.30 Uhr.
Kurzes Gespräch mit dem Anästhesisten und dann ab in den OP. Sandra meint, ich hätte im Aufwachraum ganz schönen
Unfug geredet. Mein rechtes Auge war mit einem Verband verklebt, und die ersten paar Stunden nach dem Eingriff war ich
ganz schön beinträchtigt: Wenn ich versucht habe, das linke Auge zu öffnen, wollte das rechte Auge mitgehen, und das
tut weh - und zwar dummerweise sowohl dann wenn man zulässt dass das rechte Auge mit auf geht als auch dann wenn man
versucht das rechte Auge zuzukneifen. Wir fanden den Weg zum Frühstück und zurück ins Hotel schließlich mit einem
Sehschlitz, mit dem ich immerhin gucken konnte, wo ich direkt hintrete. Weiter weg gucken war aber nicht.
Nach einem ausgiebigen Mittagsschlaf wurde mir dann auch schon langweilig und ich traute mich wieder an den Rechner. Das
ging mit großer Schrift mehr schlecht als recht und auch kaum länger als eine Stunde am Stück, aber war schon mehr
als ich eigentlich erwartet hatte. Mit weiter fortschreitender Tageszeit konnte ich merken, dass das rechte Auge unter
dem Verband immer besser aufgeht, was dazu geführt hat, dass ich mir quasi den Verband von innen betrachten konnte, was
für einen interessanten Seheindruck sorgte. Außerdem hat das Auge getränt wie blöde.
Am
nächsten Morgen durfte ich dann im Badezimmer den Verband abnehmen und das erste Mal die Augentropfen benutzen. Der
erste Effekt war schon eindrucksvoll - ich konnte ohne Prisma die andere Rheinseite ohne Doppelbilder sehen. Das rechte
Auge sieht übel blutunterlaufen aus und ich habe unscharf gesehen. Nach dem Auschecken aus dem Hotel ging es dann zur
Nachuntersuchung. Alles Fein, Visus 1,0 (mehr hat der Augenarzt nicht geprüft), statt der Esophorie jetzt eine leichte
Exophorie. Das habe ich ungerne gehört, aber eine endgültige Aussage kann man eh erst nach ein paar Monaten treffen.
Die Prismenbrille wandert in
ihr Etui und wird durch meine erste Sandra-Fassung mit neuen (billigen) Gläsern ersetzt, die wir in meiner Stärke,
aber ohne Prisma, bereits vorbereitet hatten. Es hat schon seine Vorteile, mit einer Augenoptikerin verheiratet zu sein.
Weitere Ansage vom Augenarzt: Alles machen, auch arbeiten. Da freut sich der Selbständige, und ein Arbeitnehmer hätte
geflucht. Durch die Einblutung ist der Visus auf dem rechten Auge auch noch eher bescheiden.
Durch die Fäden im Auge hatte ich die ersten ein, zwei Tage immer noch ein Fremdkörpergefühl im Auge, was sich daran
geäußert hat, dass das Auge getränt hat wie blöde. Schnelle Augenbewegungen tun ein bisschen weh, und ich merke,
dass die Augen bei Kopfdrehungen sich immer ein bisschen früher anfangen zu bewegen. Interessante Erkenntnis, und ich
gewöhne mir an, vor Kopfbewegungen die Augen zu schließen, damit die Augen sich nicht mit bewegen. Auch das Gucken in
die extreme Nähe wie zum Beispiel beim Rasieren ist die erste Woche über minderangenehm.
Aber dann hatte sich das Auge daran gewöhnt und es gab pro Tag vielleicht eine nervige Stunde, sonst eigentlich alles
normal. Eine Woche nach der Operation traue ich mich auch wieder auf den Fahrersitz des Autos.
Fünf Wochen später bin ich mit dem Ergebnis - so weit man das so kurz nach der Operation schon
beurteilen kann - immer noch zufrieden. Ich habe keine Kopfschmerzen, kann eine Brille ohne Prisma tragen und sehe mein
Notebookdisplay deswegen auch mit Brille wieder so scharf wie es sein soll. Allerdings habe ich mich so weit daran
gewöhnt, die Brille bei der Arbeit am Notebook zu tragen, dass ich immer noch versuche, sie abzusetzen, wenn ich mich
zum Notebook drehe.
Die Augentropfen, die ich viermal am Tag nehmen sollte, sind endlich alle, das Fremdkörpergefühl ist vollständig
verschwunden, wenn auch Sandra meint, man würde die Fäden im Auge noch sehen. Die sollen sich eigentlich von selbst
auflösen und werden dann rausgespült, aber bisher ist davon noch nichts zu bemerken.
In vier Monaten möchte mich der Augenarzt nochmal sehen; wir werden meine Entwicklung natürlich durch regelmäßige
MKH-Messungen weiter beobachten. Und ich hoffe, dass ich bald wieder eine Brille mit hochwertigeren Gläsern und
Lotusbeschichtung haben kann, denn die Putzerei der Billiggläser nervt. Aber die Hymne auf die Lotusbeschichtung halte
ich in einem eigenen Blogartikel.