Ich stehe mit meiner Begleitung in Mannheim Hbf und warte auf die “S-Bahn” in Richtung Neustadt.
Ausgeschildert ist, wie zur abendlichen Hauptverkehrszeit üblich, der Zug doppelt: Der erste Zugteil nach
Kaiserslautern, der zweite nach Neustadt, mit dem Zusatz “Zugtrennung in Neustadt”. Da die aus Heidelberg
kommende “S-Bahn” wie üblich brechend voll sein wird, stehe ich am hinteren Teil des Bahnsteigs, wo für
diesen Zug planmäßig eine Einheit 425.2 dazugestellt wird.
Heute hat wieder einmal meine meistgehasste Bahnhofsstimme Dienst, die mit ihrer eigentümlichen Intonation und ihrer
schlampigen Aussprache (“Auf Gleisdrei hateinfahrt der Indaciddy nach Saabrüggen”) immer für ein paar
aufgestellte Nackenhaare sorgt.
Die “S-Bahn” kommt mit plus zwei und mir ahnt schlimmes als das erwartete “Am Schluß wird eine
S-Bahn beigestellt” nicht Bestandteil der Ansage ist, und nach der Einfahrt des Zuges tut sich, richtig, nichts.
Die Bahnsteiganzeige kündigt weiterhin einen aus zwei Einheiten gebildeten Zug an.
Als schließlich dreißig Sekunden vor der planmäßigen Abfahrt die Ausfahrt gestellt wird, bewege ich mich in
Richtung des einzigen Zugteils, um dort einzusteigen. Kurz vor der Tür kommt dann doch mal eine Ansage “Am
Schluß wird eine S-Bahn beigestellt”. Meine Begleitung meint, das hätte ganz klar “keine”
geheißen. Nun denn, es war exakt dieselbe Intonation wie üblich, und wenn der eine Buchstabe Unterschied so viel
Differenz macht, wäre es sicherlich zielführend gewesen, den Satz etwas anders zu formulieren und zu betonen. Ich
erwarte ja gar kein “Sehr geehrte Fahrgäste, bitte beachten Sie: Dieser Zug wird heute nicht wie üblich um eine
weitere Einheit verstärkt”, sondern vielleicht ein “Am Schluß wird heute
keine S-Bahn beigestellt”. So, wie meine Lieblingsstimme das heute formuliert hat, komme ich mir
als Fahrgast dezent vereimert vor. Auch die Tatsache, dass die Bahnsteigbeschilderung bis zum Schluß verkehrt war und
die Ansage, dass da heute kein zweiter Zugteil kommt, wirklich auf den allerletzten Drücker erfolgte, trägt nur zu
meiner Verärgerung bei.
Erwartungsgemäß stehen sich die Fahrgäste im hinteren Zugteil auf den Füßen, während im nach einigen lauten
“Entschuldigung, darf ich bitte mal durch” erreichte vorderen Zugteil noch massig Sitzplätze frei sind.
Nachdem der Zug Mannheim Hbf pünktlich verlassen hat, kommt aus dem Sprachspeicher ein Ingo mit “Sehr geehrte
Fahrgäste, aus betrieblichen Gründen verkehrt dieser Zug heute nur in Einfachtraktion. Wir bitten um Ihr
Verständnis”. In Ludwigshafen Mitte bekommen wir plus sieben, weil der verspätete Indaciddy, äh, Intercity,
nach Saarbrücken vor darf. Auch hierfür haben die 425.2 einen Spruch von Ingo im Sprachspeicher. Verwirrend und
falschen Sachverhalt ankündigend spricht Ingo “Wegen der Überholung eines anderen Zuges verzögert sich unsere
Weiterfahrt um wenige Minuten”. Aus dieser Formulierung könnte ich schließen, dass wir einen anderen Zug
überholen und nicht selbst überholt werden - korrekt hätte es doch “Wegen der Überholung durch einen anderen
Zug” heißen müssen?
Den dem Intercity folgenden Güterzug bremsen wir dann aus, als wir nach Ludwigshafen Hbf weiterfahren. Das
“Dieser Zug hat derzeit sieben Minuten Verspätung, wir bitten um Ihr Verständnis” kommt dann persönlich
gesprochen von unserer Tf’in; der RE nach Mainz wird in Ludwigshafen Hbf erreicht.
Der Güterzug holt uns in Ludwigshafen Hbf wieder ein, wir dürfen erneut vor, und werden auch bei der Einfädelung
zwischen Schifferstadt und Böhl-Iggelheim von diesem Güterzug nicht ausgebremst.
Fazit: Schlechte Noten für die Fahrgastinformation in Mannheim Hbf und Respekt für die im Sprachspeicher verfügbaren
Sonderansagen. Und inzwischen gewöhn ich mich sogar an Ingos geschraubte Aussprache.