Aufgrund der schlechten ÖPNV-Situation in Mannheim am Samstag morgen fahre ich mit dem Auto zum
“S-Bahn”-Haltepunkt Mannheim-Seckenheim. Der liegt nicht in Seckenheim, sondern im Ortsteil Hochstätt,
einer deprimierenden Nachkriegssiedlung mitten im Nichts zwischen Rangierbahnhof und Autobahn, an deren Bausubstanz auch
seit der Nachkriegszeit nichts mehr getan wurde.
Zwischen Kleingärten und kleinen Handwerksbetrieben finde
ich den mit sechs Stellplätzen recht kleinen, aber vollständig leeren Parkplatz in unmittelbarer Nähe des
Haltepunkts, ziehe mir aus dem Automaten eine IC-Fahrkarte nach Stuttgart (“City” draufzudrucken vergißt
der Automat) und warte zehn Minuten auf die “S-Bahn”.
Den Bahnsteig hat man mit einer
Holzkonstruktion auf “S-Bahn”-Höhe gebaut, und bei jedem durchfahrenden Zug macht das aus Plexiglas
geklöppelte Haltestellenhäuschen mehr Lärm als der Zug. Die “S-Bahn” kommt pünktlich und bringt mich
nach Heidelberg, wo ich in 20 Minuten Aufenthalt einen ersten Frühstücksversuch zu mir nehme. Dabei entsteht ein Foto
des Fallblattanzeigers, der die S1 nach Venezia über Eberbach ankündigt.
Der IC Frankfurt-Salzburg kommt
mit “wenigen Minuten Verspätung” und “in umgekehrter Wagenreihung” und besteht aus einer 101
mit einem Avmz, einem Bimdz und sechs weiteren Avmz, diese deutlich mit “Ersatzzug, 2. Klasse”
beschriftet.
Ich lasse mir das nicht zweimal sagen und reise bequem im 1.-Klasse-Fauteuil gen Stuttgart. Der
Zugchef entschuldigt sich mehrfach dafür, dass im zu höchstens 10 % ausgelasteten Zug keine Reservierungen gesteckt
werden konnten und “für die Unannehmlichkeiten”. Der kurz hinter mir zusteigende Damenkegelclub beschwert
sich über die breiten Sitze und die fehlende Reservierung, köpft die mitgebrachten Sektflaschen und nervt.
Vor Stuttgart sagt der Zugchef deutlich, dass der Ersatzzug in Stuttgart auf Gleis 15 endet. Fahrgäste mögen bitte
in den “richtigen IC”, der “am selben Bahnsteig gegenüber auf Gleis 14” bereit steht.
Nun, wer Stuttgart Hbf kennt, weiß, dass Gleis 14 und Gleis 15 mitnichten am selben Bahnsteig liegen. Es kommt wie es
kommen muß: Die umsteigenden Fahrgäste steigen mangels seitenselektiver Türfreigabe auf den Gepäckbahnsteig aus.
Vier Stunden später betrete ich das Reisezentrum, um die Barcode-Terminals zum Fahrkartenkaufen endlich mal
ausprobieren zu können. Mir stellt sich ein DB-Mitarbeiter in den Weg und fragt “Guten Tag, brauchen Sie einen
Fahrschein?” Ich antworte “Ja”, schlage einen Haken um ihn herum und gehe zielstrebig auf das
Auskunftsterminal zu. Hinter mir höre ich ihn noch “aber Sie wissen ja offensichtlich Bescheid” in seinen
Bart murmeln.
Die Terminals sind in der Tat rasend schnell in der Fahrplanauskunft, so dass die Fahrkarte von
Stuttgart nach Mannheim-Seckenheim
über Heilbronn Hbf und Öhringen-Cappel im Nu ausgewählt ist. Ich lasse mir
einen Reiseplan drucken, um dann zu sehen, dass dieselben Informationen auf dem danach kommenden Kaufbeleg nochmal drauf
stehen.
Am Zahlterminal muss man zuerst den Bildschirm drücken, bevor man den Barcode unter den Leser halten
darf. Was soll den der Blödsinn? Das Ding hat gefälligst direkt zu erkennen, wenn man mit einem Barcode unter dem
Leser herumwedelt. Der aus einem alten NTA recycelte mechanische Kartenleser liest die Kreditkarte im ersten Anlauf und
druckt wie gewohnt Fahrschein und Buchungsbeleg aus.
Die Regionalbahn nach Heilbronn ist ein
Doppelstock-Wendezug mit 143 und fährt pünktlich und ohne Zugbegleiter. Die Neckarbrücke bei Besigheim wird neu
gebaut, wir schleichen schon über die neue Brücke.
In Heilbronn wechsle ich dann auf die Stadtbahn, die in
Form von Triebwagen 881 aus Schwaigern West ankommt. Die S4/S41 ist somit inzwischen in drei Abschnitte
(Freudenstadt-Rastatt-Karlsruhe, Achern-Rastatt-Karlsruhe-Heilbronn und Schwaigern West-Heilbronn-Öhringen) eingeteilt;
wer die Linie in voller Länge durchfahren möchte, muss also zweimal Umsteigen. “Mein” Tf trägt
DB-Dienstkleidung.
Bis Heilbronn Harmonie kenne ich die Strecke ja schon, ab dort geht es geradeaus weiter
bis in die Berge hinein. Hinter der Oststraße geht es bergauf, und nach der Haltestelle Finanzamt wird die Strecke für
wenige hundert Meter eingleisig, bevor die Haltestelle Pfühlpark erreicht wird. Die Haltestelle hat auf beiden Seiten
ein Wende- und Abstellgleis, und bereits aus der Haltestelle sieht man die beiden Ks-Hauptsignale, die die Einfädelung
auf die DB-Strecke sichern. Die nicht höhenfreie Einfädelung ist so angelegt, dass der Regelfahrweg für die Stadtbahn
gebaut ist; der Systemwechsel endet nur wenige Meter vor den beiden Einfädelungsweichen. Nach der Haltestelle
Heilbronn-Trappensee geht es in den knapp tausend Meter langen Weinsberger Tunnel.
Die Strecke war wohl
früher eine ziemliche Partisanenbahn. Fuhr da mal mehr als 628-RE im Zweistundentakt? Sie wurde extra für die
Stadtbahn elektrifiziert, erhielt mit Ks-Signalen neue Sicherungstechnik und es wurden viele viele neue Haltepunkte
gebaut, die teilweise erst mit der heißen Nadel fertig gestellt wurden: Aus Holz gezimmerte Treppengeländer zeugen
davon. Leider wurde sie dabei auch “optimiert”. Der Bahnhof Weinsberg ist noch der größte Bahnhof im
Optimierungsabschnitt: Zwei Gleiswechsel und ein Wendegleis in Mittellage erlauben hier, Züge abzustellen und relativ
schmerzfrei zu wenden. Der nächste Gleiswechsel ist dann erst in Eschenau, und ab dort auch wieder ohne
Wechselmöglichkeit bis Öhringen. Wenn hier was passiert, kann man den Stadtbahnbetrieb wohl einstellen. Natürlich hat
man auch Fahren auf dem Gegengleis mit Signal Zs6 nicht eingerichtet, es stehen nur Signale am rechten Gleis.
Ein Haltepunkt hat die aus dem Enztal bekannten 25-Meter-Bahnsteige, gepaart mit den ebenfalls bekannten Ansagen, dass
man nur aus den ersten beiden Türen aussteigen kann.
Ab Bretzfeld stehen H/V-Lichtsignale; hier hat der
Optimierungsteufel also noch nicht so heftig zugeschlagen. Der Bahnhof Öhringen hat drei Bahnsteigkanten, man soll hier
in die Züge nach Waldenburg, Schwäbisch Hall und Crailsheim umsteigen.
Öhringen-Cappel liegt nur wenige
Kilometer hinter dem Bahnhöf Öhringen; die Stadtbahn wechselt vor dem Bahnhof auf das durchgehende Hauptgleis in
Richtung Heilbronn und hält dann dort an der einzigen Bahnsteigkante. Das Hauptgleis aus Heilbronn hat keine
Bahnsteigkante. Weiter hinten ist noch ein Abstell- und/oder Wendegleis, das aber vom Bahnsteig aus nicht einsehbar ist.
Ich vermute, dass auch die Fahrleitung relativ schnell endet.
Nach wenigen Minuten Aufenthalt geht es erstmal
zurück nach Öhringen, wo nochmal sechs Minuten Wartezeit auftritt. Der Grund dafür wird klar: Der mit 628 gefahrene
RE aus Crailsheim kommt hinter uns in den Bahnhof; wir standen ihm in Cappel im Weg. Nachdem dessen Fahrgäste
umgestiegen sind, setzen wir unsere Fahrt nach Heilbronn fort.
Vor Eschenau steht ein Zugverband im
Streckengleis von Heilbronn, der hinter uns an den Bahnsteig vorfahren und ab dort den Takt verdichten wird. Die
Betriebsführung hier ist auch kurz auf knapp, da wendende Züge so oder so dem Durchgangsverkehr im Weg stehen müssen.
Wendegleis? Fehlanzeige. Die Infrastruktur ist somit am Anschlag, es gibt keine Weiche, die nicht planmäßig benutzt
wird.
Zurück in Heilbronn angekommen, benutze ich die geschlossene Toilette des erst in 45 Minuten
abfahrenden RE nach Mannheim und fahre dann mit der RB weiter bis Mosbach-Neckarelz. Die “S-Bahn” nach
Kaiserslautern ist pünktlich, und eigenwillig mit “S1 vorne Kaiserslautern, S1 hinten Osterburken”
beschriftet und bringt mich “bequem” zurück nach Mannheim-Seckenheim. Inzwischen hat der Tf auch den
Beschilderungsfehler bemerkt, inzwischen heißt es “S1 vorne Kaiserslautern, S1 hinten Mannheim”. So gehört
sich das.
Meinem Auto ist nichts passiert, und ich fahre in knapp über zehn Minuten zurück nach Wallstadt.