Als ich hierhergzogen bin, war ich ÖPNV-verwöhnt: Busse konnte ich ignorieren und eine unter der Woche tagsüber
nur im 20-Minuten-Takt verkehrende Straßenbahn hat bei mir nie unter “ernstzunehmend” rangiert. Was dazu
führte, dass ich knapp über ein Jahr lang die Wallstadt nur tangierende Linie 7 als einzige ÖPNV-Anbindung meiner
Wohnung angesehen habe.
Aber so schlecht ist der Rest gar nicht, wenn man sich einmal daran gewöhnt hat.
Die quer durch Wallstadt hindurch fahrende Linie 4 habe ich nach wie vor nur dann auf dem Programm, wenn HAFAS darauf
besteht, mich damit fahren zu lassen. Also ziemlich selten.
Aber der Bus R, der knapp 300 Meter von meiner Wohnung entfernt eine Haltestelle hat, ist in vielen Punkten eine echte
Alternative - vor allen Dingen, weil er erreichbar ist, ohne dass ich das Fahrrad womöglich über Nacht an einer
Pampahaltestelle stehen lassen und den Vandalen anheim stellen muss.
Wenn man den öfter benutzt, bekommt man
allerdings ein paar “nette” Dinge heraus, die das Busfahren für Gelegenheitsnutzer unattraktiv machen.
Der R fährt nur unter der Woche tagsüber “manchmal” mit einem richtigen Bus. Schon ab 17.00 Uhr und am
Wochenende grundsätzlich fährt ein “Linientaxi”, was bedeutet, dass “im Auftrag der rnv” ein
Achtsitzer-Kleinbus (immerhin mit elektrisch arbeitender Schiebetür) verkehrt. Gruppen möchten sich bitte
rechtzeitig
vorher anmelden, und wenn der Bus mit Fahrgästen voll ist, fährt ein “normales” Taxi zum VRN-Tarif
hinterher. Das ist eine schöne Lösung, und wenn ich mir überlege, dass ich um kurz vor 20 Uhr mit zwei anderen
Fahrgästen im Linientaxi unterwegs war, passt das auch - die Alternative wäre, die Linie ganz einzustellen, und das
fände ich sehr ärgerlich.
Die Flexibilisierung in dieser Form hat allerdings auch ihre Nachteile: Besonders im
Spätverkehr werden die Linien völlig durcheinandergewürfelt. Der Bus B, der tagsüber immerhin im Zehnminutentakt
mit Gelenkbussen von Waldhof über Käfertal Süd, die Feudenheimer Brücke, Neuostheim und die SAP-Arena nach
Neckarau
fährt, ist abends ein Achtsitzer-Linientaxi, das zwischen Käfertal und Neuostheim noch einen grob zehnminütigen
Schlenker durch Feudenheim und Wallstadt dreht und somit noch Teile der Straßenbahnlinie 2 und eben
“meinen” R mit abdeckt. Am Wochenende ist die Linie 144 aus Seckenheim und der R umlaufmäßig miteinander
verknüpft, und Sonntags fährt das Linientaxi zwischendrin noch einen Taktverdichter anstelle einer Straßenbahn
durch
Feudenheim zur Ziethenstraße, um dort die im Gegentakt fahrende Straßenbahn 7 zu erreichen. Das ist zwar pfiffig,
aber
für Normalreisende kaum zu durchschauen.
Wohl dem, der eine elektronische Fahrplanauskunft hat, und auch
verstanden hat, dass die besseren Ergebnisse rauskommen, wenn man nicht die gewünschte Einstiegshaltestelle, sondern
wirklich die Adresse des Startorts eingibt - manchmal denkt HAFAS mehr von hinten durch die Brust ins Auge und kommt
dabei mit pfiffigen Lösungen heraus, auf die ich durch reines Studium der Fahrplantabellen nie gekommen
wäre.
In manchen Punkten wird aber zu sehr optimiert: Der Weg nach Heidelberg zum Beispiel führt mich von
Wallstadt über Feudenheim und Seckenheim zur OEG. Nur schade, dass der Bus von Wallstadt nach Feudenheim alle 20
Minuten, der Bus von Feudenheim nach Seckenheim aber nur alle 30 Minuten verkehrt. Auf diese Weise kann man zwar
vielleicht einen Umlauf einsparen, aber um den Preis, dass es nur einmal in der Stunde eine Verbindung mit akzeptablen
Umsteigezeiten in Feudenheim gibt. Das tut der Verbindung massiv weh.
Und dass Touren wie “Mit dem Bus B
von der Ziethenstraße zum Rangierbahnhof und auf dem zugigen Haltepunkt mitten im Nichts dort dann 34 Minuten auf die
nächste ‘S-Bahn’ warten - bei einem 30-Minuten-Takt der S-Bahn und nur deswegen, weil die Bushaltestelle
einen guten halben Kilometer vom gleichnamigen S-Bahn-Haltepunkt entfernt ist” nicht gerade für gute Akzeptanz
der Verbindungen sorgen, sollte eigentlich auch klar sein. Hier besteht deutlicher Verbesserungsbedarf.